20. April 2016

Geschichte der Elektro Rathenow GmbH

Handwerk in der DDR
Gründung
Sozialwesen in der PGH
der 1.Mai
Die PGH nach der Wende
Auslandseinsätze
Marketing
Qualität wird bei uns groß geschrieben
Ausbildung

Das Handwerk in der DDR

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In der DDR wurde privates Handwerk zwar gebraucht, passte jedoch nicht in die im Aufbau befindliche sozialistische Gesellschaft.
Nach der Gründung der DDR 1949 wurden vielfach Handwerksbetriebe zwangsweise in VEBs (volkseigene Betriebe) umgewandelt. Die Gewinne der verbliebenen Handwerksbetriebe wurden bis zu 95% besteuert, damit sie sich nicht zu kleinkapitalistischen Unternehmen entwickeln konnten.

Viele Inhaber konnten diesem Druck nicht Stand halten und verließen die DDR bis 1961 in Richtung Westen.
Ab 1958 bestand die Möglichkeit, Produktionsgemeinschaften (PGH) zu bilden. Mitglied einer PGH konnte aber nur werden, wer aus dem Handwerk kam. Den PGHs war es gesetzlich untersagt, Mitarbeiter aus volkseigenen Betrieben einzustellen, was jedoch häufig unterlaufen wurde. Hierzu wurden geeignete Kollegen aus volkseigenen Betrieben zu befreundeten privaten Handwerksbetrieben delegiert und dann übernommen.

1973 bis 1975 wurden prodzierende PGHs per Gesetz in volkseigene Betriebe umgewandelt. Dies betraf sämtliche optische PGHs in Rathenow, die nach kurzer Selbstständigkeit den Rathenower Optischen Werken (ROW) angegliedert wurden.

Gründung

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Am 1. Oktober 1958 wurde die PGH Ausbau in Milow gegründet.
Gründer waren Elektromeister Simon und der Tischlermeister Jeseriek mit 9 Mitarbeitern.
Die PGH hatte keinen Betriebssitz. Die Geschäfte wurden in der Gaststätte Preuß in Milow abgewickelt. Nach kurzer Zeit verließ Elektromeister Simon die PGH und ein Meister aus Caputh wurde eingestellt.
Auf Grund von Streitigkeiten zur jährlichen Gewinnausschüttung erfolgte 1962 die Trennung und als Rechtsnachfolger entstand die PGH Elektro und die PGH Tischler.

Im Zuge der Trennung zog die nun 23 Mitarbeiter starke PGH Elektro von Milow nach Rathenow zur Fehrbelliner Straße (Kohlenhandlung Laudon, jetzt Parkplatz eines Supermarkts), später dann zur Hagenstraße 33.
Die Vertragswerkstatt für Haushaltsgeräte verblieb weiterhin bis 1968 in der Hagenstraße, der Hauptsitz jedoch wurde zur Großen Milower Straße (heute Fliesenhandlung Fürstenberg und Fahrschule) verlegt.

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Foto: 1966 – Firmensitz noch in der Großen Milower Straße

Zwischendurch verließ der aus Caputh stammende Vorsitzende die PGH und der Elektromaschinenbauer Herr Desselmann übernahm den Vorsitz. Im Jahre 1964 überschritt erstmalig der Betriebsumsatz die 1-Million-Mark-Grenze. Zu dieser Zeit waren 40 Mitarbeiter im Unternehmen tätig.

1966 verließ der Vorsitzende und einige leitende Mitarbeiter nach Streitigkeiten die PGH und ein junger Ingenieur übernahm die Geschicke der PGH. Zu diesem Zeitpunkt gab es keine Meister im Unternehmen, was sich zum Problem entwickelte. Die PGH nahm die Gelegenheit beim Schopfe und ließ 9 ihrer Mitarbeiter innerhalb von 2 Jahren zum Meister qualifizieren, die auch sämtliche leitende Tätigkeiten übernahmen.

1968 wuchs die PGH auf 59 Mitarbeiter und der Umsatz stieg auf über 3 Mio. Mark an. Dadurch wurden die Geschäftsräume in der Großen Milower Straße 76 zu eng und es musste ein neuer Betriebssitz gefunden werden. Etliche Objekte wurden ausgewählt, jedoch die staatliche Genehmigung nicht erteilt, und so zog sich die Suche nach geeigneten Geschäftsräumen für die PGH in die Länge.

Als alles aussichtslos war, half nur ein Trick:
Bei der Reparatur eines Fahrzeugs beim Karosseriebau Gebrüder Wietz in der Wilhelm-Külz-Straße 10 erwähnten die Inhaber, sie hätten „die Nase voll von Partei und Regierung“. Dies war die Chance, und schnelles Handeln war notwendig. Mit den Eigentümern wurde vereinbart, das Grundstück nicht zu kaufen, sondern der PGH beizutreten.
Die Beitretung sollte nach Auffassung des Staates wieder rückgängig gemacht werden, aber man konnte der damaligen PGH keinen Gesetztesverstoß nachweisen.

Nun führte die PGH auch Karosseriearbeiten aus. Die wurden jedoch 1970 eingestellt, da der Druck von staatlicher Seite zu hoch wurde und Herr Wietz in den Altersruhestand trat. Der verbliebene Karosseriebaumeister baute nun Schaltschränke.

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Foto: Schlosserbrigade 1968 – Helmut Koch, Holger Hörning, Horst Genz, Siegfried Peters, Erich Schulz, Gerhard Hermann (v. l.)

Die Gebäude auf dem Grundstück wurden durch eignende Mitarbeiter und Feierabendbrigaden für die Zwecke der PGH umgebaut. So konnte auch die Vertragswerkstatt aus der Hagenstraße in die W.-Külz-Straße umziehen. Ab diesem Zeitpunkt bestand die staatliche Aufgabe der PGH darin, die Bevölkerung mit Reparaturen und Dienstleistungen zu versorgen.

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Foto: 1968 Vertragswerkstatt – Siegfried Peters, Horst Genz und Carlo Haendschke

In der Vertragswerkstatt für elektrische Haushaltsgeräte waren nun 10 Mitarbeiter tätig.

1973/74 wurden industriell produzierende PGHs per Gesetz in VEBs umgewandelt. Dies betraf auch die PGH Elektro. Schnell wurden Maßnahmen ergriffen um dem vorzubeugen, und so wurden Stützpunkte in Premnitz und Rhinow für die Versorgung der Bevölkerung mit Reparaturen und Dienstleistungen errichtet.

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1974 – jetzt mit Reparaturstützpunkten

1978 war die PGH Elektro 117 Mitarbeiter groß und der Gesamtumsatz betrug 8 Mio. Mark.
Die am Rande der Legalität durchgeführten Maßnahmen und Umgehung der staatlich vorgegebenen Gesetze und Normen, auch die „Schwarzbauten“ von Ferienobjekten usw. führten Mitte 1978 zur Verhaftung des Vorsitzenden, der später zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt wurde.

Ein Grund für die Zwangsmaßnahme war: „Die PGH hat bei Neueinstellungen streng darauf geachtet, dass kein Bewerber Genosse der SED war, um zu verhindern, dass eine Parteigruppe gebildet werden konnte und damit der Einfluss der Partei der Arbeiterklasse auf das Geschehen in der PGH unterbleibt“. So war es nicht verwunderlich, dass als neuer Vorsitzender nur ein Genosse der SED in Frage kam.
Also wurde ein Leitungskader aus dem Chemiefaserwerk Premnitz als Vorsitzender eingesetzt.

Von 1979 bis 1990 schwankte die Anzahl der im Unternehmen tätigen Mitarbeiter zwischen 118 und 128. Der Umsatz schwankte zwischen 6,5 und 8,8 Mio. Mark. Wie auch in den Vorjahren seit der Gründung des Unternehmens schrieb das Unternehmen immer schwarze Zahlen und es erfolgte stets eine Gewinnausschüttung.
Es ging, wie in allen Betrieben der DDR, alles „seinen sozialistischen Gang“ – bis zur Wende 1990.

Die PGH nach der Wende

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Die Wende brachte, wie für jeden persönlich, auch dem Unternehmen weit reichende Veränderungen mit sich. Neben der Freude über das Ende der DDR breiteten sich auch Ängste aus. Was wird die Zukunft bringen?
Aus der PGH wurde 1990 eine GmbH. Der PGH-Vorsitzende wurde zum Geschäftsführer, und Mitarbeiter zu Gesellschaftern.

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Aus der PGH wurde 1990 eine GmbH

Trotz großer Bemühungen sank die Mitarbeiterzahl bis 1994 auf 68 Kollegen und Kolleginnen. Im Jahr 1994 geriet das Unternehmen in eine finanzielle Schieflage, der Verlust des Unternehmens lag bereits im einstelligen Mio.-DM-Bereich.
Die Notbremse musste gezogen werden und das Management des Unternehmens wurde ausgewechselt. Herr Wilfried Kattner wurde als neuer Geschäftsführer eingesetzt.

Der Jahresabschluss 1995 zeigte erstmals seit 1990 wieder ein positives Betriebsergebnis – es konnte also weitergehen.

Eine der größten Investitionen war der Neubau eines Wohn- und Geschäftshauses 1998. Dort zog unsere 1998 gegründete Tochtergesellschaft ESR Rathenow ein.

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Foto: 1998 Errichtung eines Wohn- und Geschäftshauses in der Wilhelm-Külz-Straße 9

Am 01.04.2002 übernahm in Folge einer vom „alten“ Geschäftsführer eingeleiteten Verjüngerungskur Herr Heiko Grün die Geschäftsführung.

Die angespannte Auftragslage durch immer extremer werdenden Wettbewerb machte eine Neuausrichtung unserer Firma unausweichlich. Es galt nun, neue Märkte zu erschließen und vorhandene Kapazitäten auszubauen, bzw. „wiederzubeleben“.
Der Startschuss zu einem dieser neuen Geschäftsfelder fiel am 26.10.2002 mit unserem ersten „Tag der offenen Tür“ zum Thema „Alternative Energiequellen“. An diesem Tag wurde unser neues Geschäftsfeld – die Errichtung von Photovoltaikanlagen – aus der Wiege gehoben. Jedoch sollte es bis zur Errichtung unserer ersten PV-Anlage noch ein langer und steiniger Weg werden.

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Foto: MAZ vom 24.10.2002 – Ankündigung zum Tag der offenen Tür

2005 war es dann soweit: Wir errichteten im August 2005 unsere erste und wohl bekannteste PV-Anlage auf dem Gelände der Landesgartenschau in Rathenow.

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Foto: Erste Photovoltaikanlage auf dem Gelände der LAGA Rathenow. Bauzeit: August – Dezember 2005

Durch intensive Bewerbung dieser Anlage gelang uns der Durchbruch in diesem Geschäftsbereich. Der Höhepunkt war die Errichtung der eigenen 50kWp-Anlage auf unserem Firmengelände im Jahre 2006.

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Photovoltaikanlage auf unserem Firmengelände 50 kWp. Bauzeit: Mai – September 2006

Sozialwesen in der PGH

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Der Vorreiter des Kollektivs der sozialistischen Arbeit war die Brigade Schaumann.

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Foto: 1976 Brigade Schaumann – Jochen Hermsdorf, Diethard Förster, Eugen Konschak, Olaf Hahn, Klaus-Dieter Schaumann, Rolf Wernicke, Konrad Wetzel und Gerhard Neumann

Es ging jedoch weniger um das „Sozialistische“, vielmehr stand das gemeinsame Miteinander im Vordergrund. So wurden Skat- und Würfelabende, Brigadefahrten (auch in das sozialistische Ausland), Sportfeste, Theaterbesuche, Patenschaften mit Kindergärten und vieles mehr organisiert und durchgeführt.

1. Mai

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Der 1. Mai (Tag der Arbeit) war ein sozialistischer Feiertag, an dem Meister verpflichtet wurden zu marschieren. Alle anderen Mitarbeiter bekamen ein „Marschiergeld“ von 20 Mark, und die Lehrlinge mussten die Fahne tragen.

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Foto: Festumzug am 1. Mai

Verantwortung für unser Territorium
Im Rahmen des NAW (Nationales Aufbauwerk) errichtete unsere Firma einen Kinderspielplatz in Eigenleistung ohne finanzielle Zuwendungen der Kommune. Dieser Platz befand sich im hinteren Teil des Betriebsgrundstückes. Der Spielplatz wurde gern von den Kindern in der Umgebung genutzt.

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Foto: 1976 Einweihung Kinderspielplatz

Außerdem pflegte unser Betrieb die bestehenden Partnerschaften zu Kindergärten.

Auf unserem Grundstück fanden unsere jährlichen Betriebssportfeste statt.

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Betriebssportfeste

Auslandseinsätze

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Vietnam 1977 bis 1988
Das Solidaritätskomitee der DDR übergab der Handwerkskammer – und diese uns – den Auftrag, bei der Errichtung von 110 Werkstätten in Vietnam die elektrotechnische Ausrüstung zu übernehmen. In Premnitz wurde ein Lager errichtet, von wo aus Material und Werkzeuge seefest verpackt und versandt wurde.

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Foto: 1977-1990 Vietnamlager in Premnitz

Der Aufbau der Premnitzer Werkstätten wurde ebenfalls von unseren Kollegen übernommen.

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Foto: 1979 Vietnam: Eugen Konschak und Günter Lange mit ihren vietnamesischen Helfern

Laos 1978
In Laos errichtete unsere Firma ebenfalls Werkstätten.

Guinea 1983
In der Hauptstadt Guineas, Conakry, montierten unsere Kollegen die Elektroanlage eines Kongresszentrums.

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Foto: 1983 Guinea: Eugen Konschak (Mitte) mit seinen Helfern

Mongolei 1987
Hier montierte unser Betrieb eine Anlage zur Herstellung von Kindernahrungsmitteln.

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Foto: 1987 Mongolei – Gerhard Neumann im Einsatz

Russland 1987
Dies waren die vorerst letzten Einsätze in der Westukraine und in der Udmurtischen Republik.

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Foto oben: 1991 -Eugen Konschak in Ischewsk (Udmurtische Republik)
Foto unten: 1992 Hans-Jörg Klupsch in Bogordshain (Ukraine)

Marketing

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Auch an dem „World Wide Web“ kam unsere Firma nicht vorbei. So wurde durch einen Studenten aus Berlin der erste Internetauftritt gestaltet. Am 01.03.2003 ging die Internetpräsenz der Elektro Rathenow GmbH online.

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Eröffnungsseite unserer Internetpräsenz am 01.03.2003

Wichtiger Bestandteil für die Präsentation der Elektro Rathenow GmbH ist die jährliche Teilnahme an der örtlichen Handwerks- und Gewerbemesse.

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Fotos: Präsentation auf der Handwerks- und Gewerbemesse in Rathenow

Seit 2005 unterstützt unser Betrieb den Oberligafußballverein „FSV Optik Rathenow“. Weiterhin sind wir Sponsor des Optikpark Rathenow.

Qualität wird bei uns groß geschrieben

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Die Freude war groß, als wir am 09.11.2005 endlich unser Zertifikat nach der DIN ISO 9001:2000 von einem Mitarbeiter der DEKRA überreicht bekamen. Durch die DEKRA werden ebenfalls jährlich Überwachungsaudits zur Aufrechterhaltung unseres Zertifikates durchgeführt.

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Brawo vom 10.12.2005 – Zertifiziert nach DIN ISO 9001:2000

Lehrlingsausbildung

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Nachwuchsförderung ist ein wichtiger Bestandteil unserer Firmenphilosophie. Zwar haben wir keine separate Lehrlingsausbildung mehr, aber wir bilden jährlich mindestens zwei Lehrlinge aus. Mehr erfahren Sie unter der Rubrik „Stellenmarkt – Ausbildungsplätze“.

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Bild oben: MAZ vom 23.02.2008
Bild unten: MAZ vom 27.04.2007